Schon in traditionellen Kräuterbüchern und Kulturpflanzenmonographien findet sich Weißdorn (Crataegus spp.) als wiederkehrendes Mittel zur Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems, eine Kontinuität, die sich von der Volksheilkunde Europas bis zu indigenen Traditionen Nordamerikas nachvollziehen lässt (Duke & Foster, 1990; Mills & Bone, 2000).
Aber der Weißdorn war in früherer Zeit mehr als nur eine Heilpflanze, er hatte auch mythologische Bedeutung für dem Menschen und diente zusätzlich noch als Nahrungsquelle (die Früchte), als Brennholz und als Schutzhecke. Vor der Erfindung moderner Zäune war eine Weißdornhecke eine viel genutzte, natürliche Barriere für das Vieh, weil durch seinen sehr dichten Wuchs und die Dornen quasi kein durchkommen war. Somit war der Weißdorn ein sehr prägendes Struktur- und Landschaftselement.
Anhand seiner Nutzung als Heckenpflanze lässt sich seine mythologische Bedeutung für den Menschen ableiten: Der Weißdorn war auf den Feldern ein Schutz von Vieh und Feldern und ein Schutzbaum in der mittelalterlichen Symbolik. Er galt als Schutz vor bösen Geistern und die Dornen wurden als Abwehrsymbol angesehen. Zudem galt er in der keltischen Mythologie als Schwellenbaum (Storl 2015).
Weißdorn in der Medizingeschichte
Bereits in mittelalterlichen Kräuterbüchern wird der Weißdorn bei Herzbeschwerden, Nervenschwäche und beim Altersherz eingesetzt. Die Klostermedizin und auch das alte Volkswissen wurde mittlerweile in Studien bestätigt. Weißdorn enthält Flavonoide, Procyanidine und Oligomere Proanthocyanidine (OPC). Dadurch wirkt Weißdorn positiv inotrop (stärkt das Herz und somit die Schlagkraft), ist gefäßerweiternd und wirkt antioxidativ. Daher wird der Weißdorn heute bei leichter Herzinsuffizienz und funktionellen Herzbeschwerden eingesetzt. Und kann auf Grund seines anderen Wirkungsspektrums auch gleichzeitig mit Digitalis-Drogen eingesetzt werden (Bühring 2024).
Die Symbolik heute
Das Herz ist im allgemeinen das Zentrum für Emotion, Liebe, Lebenskraft und Mut. Der Weißdorn kann also als traditioneller „Herzstrauch“ sowohl historisch als auch pharmakologisch, sowie auch im mystisch übertragenen Sinn gesehen werden. Der Weißdorn eine Schutzhecke und bietet äußeren Schutz und im übertragenen Sinne bietet der Weißdorn uns auch inneren Schutz und schützt und stärkt unser Herz, und somit auch Mut und Lebenskraft.
Der Weißdorn ist also ein Beispiel für eine Pflanze die eine kulturelle, ökologische und medizinische Rolle gleichzeitig einnimmt und Landschafts- und Kulturgeschichte mit der Herzmedizin verbindet.
Quellen:
Bühring, U. (2024): Lehrbuch Heilpflanzenkunde – Grundlagen, Anwendung, Therapie. 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
Duke, J. A., Foster, S. (1990): Peterson Field Guide to Medicinal Plants of Eastern and Central North America. Houghton Mifflin Company, Boston, New York.
Mills, S., Bone, K. (2000): Principles and Practice of Phytotherapy: Modern Herbal Medicine. Churchill Livingstone, Edinburgh, London, New York.
Storl, W.-D. (2015): Pflanzen der Kelten: Heilkunde, Mythen und Magie der europäischen Pflanzenwelt. Kosmos Verlag, Stuttgart.
Zuletzt aktualisiert am: 14.03.2026


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