Brennnessel (Urtica dioica)

Die meisten kennen die Brennnessel nur als lästiges Unkraut, welches wegen seiner brennenden Haare manch Gärtner zur Qual wird. Die Brennnessel zeigt uns Standorte mit hoher Nährstoffdichte, insbesondere Stickstoff und diese Nährstoffe nimmt sie auch in sich auf. Das macht die Brennnessel nämlich dadurch zu einer der nährstoffreichsten Wildpflanzen Europas.

Sie gehört zu den bekanntesten heimischen Heil- und Wildpflanzen und sie wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze und Wildgemüse geschätzt und bei einer Frühjahrskur eingesetzt, um den Stoffwechsel anzuregen, zu entgiften und den Körper zu stärken.

Sie kann dabei von Kopf bis Fuß genutzt werden. Für die Kräuterküche werden die jungen Blätter genutzt, die jungen Triebe und die Samen. In der Hausapotheke findet auch noch die Brennnesselwurzel Anwendung.

Inhaltsstoffe

Die Brennnessel ist reich an Vitaminen und Mineralien, wie Eisen, Magnesium, Kalium, Calcium und Kieselsäure, sowie auch Vitamin C und K, Beta-Carotin und B-Vitamine. Hinzu kommt, dass sie ungewöhnlich viele Proteine enthält.

Als Heilpflanze relevant ist zudem ihr Gehalt an Aminosäuren, Flavonoiden, Chlorophyll, Phenolsäuren, Lignanen und Carotinoiden. Zusätzlich enthalten die Brennhaare noch Histamin, Acetylcholin, Serotonin und Ameisensäure.

Wirkung

Die stoffwechselanregende Wirkung führt dazu, dass die Brennnessel traditionell zur Aktivierung des Organismus im Frühjahr genutzt wurde. Sie ist daher fester Bestandteil vieler Entschlackungskuren und ausleitender Kuren, wird bei Frühjahrsmüdigkeit eingesetzt und träger Verdauung.

Ihre harntreibende Wirkung fördert die Durchspülung der Harnwege und die Brennnessel hilft daher bei Harnwegsbeschwerden. Die harntreibende Wirkung hat jedoch auch zur Folge, dass die Brennnessel abends nicht mehr zu sich genommen werden sollte, da sie sonst den Schlaf beeinträchtigen kann.

Hinzu kommen noch ihre entzündungshemmenden Eigenschaften, welche zudem antioxidativ wirken. In präklinischen Studien ließen sich Effekte auf Entzündungsmarker feststellen, sowie auch eine Reduzierung bei Gelenkbeschwerden und Reduzierung von oxidativem Stress.

Der hohe Eisengehalt der Brennnessel verleiht ihr den Ruf, blutbildend zu sein. Zudem beschreiben bereits alte Quellen sie als Blutreinigend und -aufbauend.

Aufgrund dieser Eigenschaften wird die Brennnessel bei Problemen im Harnbereich eingesetzt sowie auch bei gutartiger Prostatavergrößerung. Im Vergleich zu vielen anderen traditionellen Heilpflanzen existieren bei der Brennnessel verhältnismäßig viele Studien, welche die Wirkung bestätigen. So ist ihre harntreibende Wirkung und die Nutzung der Brennnesselwurzel bei gutartiger Prostatavergrößerung gut untersucht. Weniger gut untersucht sind jedoch ihre entgiftenden Eigenschaften.

Anwendung

Die Brennnessel ist sowohl in der wilden Hausapotheke als auch in der Kräuterküche eine geschätzte Begleiterin. Sie ist unglaublich vielseitig, würzig im Geschmack und durch ihre Nährstoffdichte ausgesprochen gesund.

Als Tee werden klassischerweise die Blätter genutzt. Für den Jahresvorrat werden die jungen Blätter im Frühjahr gesammelt, da nun die Nährstoff- und Inhaltsstoffdichte am größten ist. Der Tee kann als Kur verwendet werden. Dafür maximal sechs Wochen lang drei Tassen pro Tag zu sich nehmen, z.B. als Frühjahrskur, um den Stoffwechsel anzuregen und den Organismus durchzuspülen, oder auch um seinen Eisenvorrat aufzupeppen.

Die Samen gelten traditionell als kräftigend und nährend und werden daher zur Stärkung, z. B. nach Krankheit eingesetzt. Natürlich lassen sie sich auch einfach wunderbar in der Wildküche nutzen, da sie einen leckeren nussigen Geschmack haben und Müsli, Joghurt oder Salat wunderbar aufwerten können.

Die Wurzel wird in der Regel getrocknet und dann als Tee verwendet, oder als Extrakt oder Fertigarzneimittel.

Sammelhinweise

Wir haben in Deutschland zwei Brennnesselarten: die kleine und die große Brennnessel (Urtica urens und Urtica dioica). Beide Arten sind ess- und nutzbar und werden gleich angewendet.

Im Frühjahr werden die jungen Triebe gesammelt und später die jungen Blätter und der gesamte obere Teil der Pflanze (bei einer ausgewachsenen Pflanze ca. das oberste Viertel). Zum Sammeln ziehst du dir am besten Handschuhe an gegen die Brennhaare. Alternativ kannst du die Brennnessel auch am Stiel anfassen, wo du sie abtrennen möchtest. Hierfür einmal schnell, kräftig und beherzt mit den Fingern zugreifen, sodass die Brennhaare abbrechen, bevor sie brennen können. Dabei aufpassen, dass die Blätter die Hand oder den Arm nicht berühren. Dann abknicken und in den Korb legen.

Zum Trocknen und somit Haltbarmachen werden die Blätter vom Stiel getrennt und als ganzes Blatt getrocknet. Nach dem Trocknen brennen die Blätter auch nicht mehr und sie können in licht- und luftdichten Behältern, wie z. B. alte, ausgekochte Deckelgläser, gelagert werden. Die Beschriftung natürlich nicht vergessen.

Wenn die Pflanze als Gemüse genutzt wird, dann kann vom oberen Teil der Pflanze auch der Stängel mitgenutzt werden, da dieser weich ist.

Um die Brennhaare unschädlich zu machen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder du kochst die Brennnessel oder blanchierst sie, du hackst sie sehr fein oder du rollst sie z.B. mit einer Nudelrolle, Wasserflasche oder Ähnlichem platt, sodass die Brennhaare abbrechen. Dies empfiehlt sich besonders, wenn du sie als Salat genießen möchtest.

Ab dem Sommer bildet die Brennnessel ihre Samen aus. Diese können ebenso geerntet und genutzt werden. Zu beachten ist, dass es männliche und weibliche Pflanzen gibt und die Fruchtstände etwas anders aussehen, und andere Eigenschaften haben. Bevorzugt werden die weiblichen Samen geerntet. Diese hängen schwer nach unten, während die männlichen Samen deutlich leichter und kleiner sind und die Samenstände eher nach oben zeigen. Beide können gegessen werden, aber nur die weiblichen können gut getrocknet und gelagert werden.

Die Wurzel wird im Herbst gegraben, wenn die obere Pflanze langsam abstirbt.

Die Verwechslungsgefahr ist bei der Brennnessel sehr gering.

Vorsicht

Die Brennnessel sollte nicht bei schweren Herz- oder Nierenerkrankungen mit Ödemen eingesetzt werden und auch nicht bei eingeschränkter Flüssigkeitsausscheidung.

Allergische Reaktionen sind möglich, aber selten.

Kräuterküche

Die Brennnessel lässt sich wunderbar in die Kräuterküche integrieren. Die Blätter können ähnlich wie Spinat verwendet werden, also z. B. kleingeschnitten in Gemüsegerichten. Ebenso eignet sie sich gekocht in Kräutersuppen oder eingebacken in Fladen oder Brot.

Roh kann sie als Salatbeigabe verwendet werden. Hierfür müssen die Blätter jedoch entweder ganz fein gehackt, Blanchiert oder mit z. B. einem Nudelholz geplättet werden, damit sie ihre Brennfähigkeit verlieren. Genauso lässt sie sich auch in eine Kräuterbutter oder Kräuterquark mischen.

Die Samen können getrocknet werden und dann als Topping für Müsli, Salat oder ähnliches verwendet werden. Um den Geschmack noch etwas hervorzuheben, können die Samen auch kurz angeröstet werden und dann als Topping genutzt werden.

Pesto

Zutaten:
1 Bund Brennnessel
1 Knoblauchzehe
2-3 EL Nüsse (z. B. Cashewkerne, Sonnenblumenkerne)
100 ml Öl (ich bevorzuge Rapsöl, ist aber Geschmacksache)
Prise Salz
Wer mag, zusätzlich: weitere Wildkräuter wie Giersch, Gänseblümchen, Gundermann…


Zubereitung:
Alles zusammen in einen Mixer geben und zu einer feinen, homogenen Paste mixen. Abschmecken und evtl. Nachsalzen – Achtung: ich finde Pesto wird schnell zu salzig, daher zu Anfang nicht zu viel hinzugeben und lieber nachher nochmal abschmecken.
Ca. 2 Tage im Kühlschrank haltbar oder eingefroren etwa ½ Jahr

Fazit

Die Brennnessel gehört zu den wertvollsten heimischen Wildpflanzen. Sie enthält eine ausgesprochen hohe Dichte an Nährstoffen und macht sich daher als Nahrungsmittel so wertvoll. Zudem ist sie in der Küche sehr vielseitig und bietet durch die Nutzung verschiedener Pflanzenteile, wie Blätter und Samen, Vielfältige kulinarische Facetten.

Zudem ist sie eine geschätzte Heilpflanze für die Harnwege und die Entgiftung und Stoffwechselanregung im Frühjahr. Die Samen werden als Stärkungsmittel genutzt und bereichern als heimisches Superfood die eigene wilde Küche.

Letzte Änderung am: 10.06.2026

Quellen

Balachandran, A., Darden, D. L., Tamm, E. P., Faria, S. C., Evans, D. B., Charnsangavej, C. (2008): Arterial variants in pancreatic adenocarcinoma. Abdom Imaging. 2008 Mar-Apr;33(2):214-21. doi: 10.1007/s00261-007-9235-z.

Bhusal, K. K., Magar, S. K., Thapa, R., Lamsal, A., Bhandari, S., Maharjan, R., Shrestha, S., Shrestha, J. (2022): Nutritional and pharmacological importance of stinging nettle (Urtica dioica L.): A review. Heliyon, Jun 22; 8 (6) :e09717. doi: 10.1016/j.heliyon.2022.e09717.

EMA (European Medicines Agency) (2025): European Union herbal monograph on Urtica dioica, Urtica urens L., radix. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC).

EMA (European Medicines Agency) (2010): Assessment report on Urtica dioica L., Urtica urens L., folium. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC).

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